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Presse
Unternehmenspreis 2009 für vier Firmen, die sich für Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte einsetzen
Pressemitteilung vom 30.11.2009
Vier Unternehmen aus Krefeld, Ahlen, Münster und Bottrop haben die „Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW“-Unternehmenspreise der Landesregierung gewonnen.
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Düsseldorf, 30.11.2009. Vier Unternehmen aus Krefeld, Ahlen, Münster und Bottrop haben die „Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW“-Unternehmenspreise der Landesregierung gewonnen. Das Motto des diesjährigen Wettbewerbs unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers lautete: „Wir wollen: Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte. Wirtschaft schafft Perspektiven.“ Die Preise würdigen den Einsatz der Unternehmen, Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte beim Übergang in Ausbildung und Beruf zu unterstützen. Wirtschaftsministerin Christa Thoben und Schulministerin Barbara Sommer zeichneten die Gewinner in einer Feierstunde im Düsseldorfer Landtag aus. 41 Firmen mit Projekten für Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte hatten sich beworben oder waren vorgeschlagen worden.
Die Sieger sind
• das Rossini Cafe & Restaurant in Münster (in der Kategorie Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten),
• die Metallwerke Renner GmbH in Ahlen (bei Unternehmen mit 20 bis 250 Beschäftigten),
• die ThyssenKrupp Nirosta GmbH in Krefeld (bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten).
• Die Firma Lars Stammkötter Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Bottrop erhält einen Ehrenpreis.
Wirtschaftsministerin Christa Thoben: „Die Integration von Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte in das Arbeitsleben ist eine zentrale Aufgabe der Gesellschaft. Die prämierten Unternehmen zeigen exemplarisch, wie diese Aufgabe als Partnerschaften mit Leben gefüllt werden kann, in denen Schülerinnen und Schüler die Chancen und Perspektiven der Berufswelt kennenlernen. Mit dem NRW-Unternehmenspreis würdigen wir diesmal das integrative Engagement der Unternehmen und wollen zu weiteren Kooperationen motivieren.“ Schulministerin Barbara Sommer: „Diese Partnerschaften bauen Hürden ab. Schulen und Unternehmen müssen zusammenarbeiten, wenn es darum geht, Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte den Weg in den Beruf zu ebnen.“
Etwa zwei Drittel der weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen haben Wirtschaftskooperationen. Die Kammern und die Arbeitgeberverbände unterstützen den Einsatz der Unternehmen. „Diese Partnerschaften von Schulen mit Unternehmen zeigen, dass die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen jeden Tag gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Mit der heutigen Preisverleihung wird dieser wichtige Einsatz anerkannt und honoriert“, sagte Dr. Hans-Jürgen Forst, Vorstand der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände NRW.
Franz-Josef Knieps, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags: „Die ausgezeichneten Projekte zeigen deutlich, wie wertvoll und fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Schule sein kann. Von solchen Kooperationen profitieren beide Seiten: Die Betriebe lernen mögliche Auszubildende persönlich kennen, die Schülerinnen und Schüler erleben die Berufswelt hautnah und unverfälscht.“
Für die Vereinigung der Industrie- und Handelskammern Nordrhein-Westfalen erklärte deren Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Mittelstädt: „Unternehmen im ganzen Land übernehmen jeden Tag aufs Neue Verantwortung für die Bildung und Ausbildung junger Menschen. Wir freuen uns sehr, dass dieser täglichen Einsatz in einem solch würdigen Rahmen ausgezeichnet werden kann und damit die im zustehende Rolle entsprechend gewürdigt wird.“
Der Unternehmenspreis 2009 ist Teil der Aktion „Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW“. Sie wird organisiert von der Stiftung Partner für Schule NRW, gefördert von der Bertelsmann AG und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und unterstützt vom Wirtschaftsministerium und Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.
Rossini Cafe & Restaurant, Münster (Sieger der Kategorie Firmen bis 25 Beschäftigte):
Wenn Jugendliche sich bestens schlagen
Boxen als Anreiz zum Lernen – diese Motivation ist ungewöhnlich, aber sehr erfolgreich. Das besondere Engagement des Restaurantbesitzers und ehemaligen Profi-Boxers Farid Vatanparast macht diese Lernpartnerschaft vorbildlich.
An fünf Abenden in der Woche trainiert der Deutsch-Iraner Jugendliche im Boxverein Telekom Post. Bevor es in den Boxring geht, heißt es für seine Schützlinge aber: Hausaufgaben machen, sich auf Bewerbungen vorbereiten, ihre Sprache verbessern, Benimmregeln lernen. Ein „Trainerteam“ aus unterstützt von 18 Ehrenamtlichen unterstützt, berät und betreut sie.
Erst lernen, dann boxen – Vatanparast engagiert sich mit dieser Taktik für Mädchen und Jungen verschiedener Nationalitäten aus sozial benachteiligten Stadtteilen. Das doppelte Training ist erfolgreich: Die Jugendlichen absolvieren ihren Schulalltag mit gesteigertem Selbstbewusstsein, erzielen bessere Schulnoten und können sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf die Unterstützung durch ihren Trainer verlassen. Einige machen inzwischen eine Lehre im Restaurant Rossini, 33 haben andere Ausbildungsplätze gefunden. Auch die sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: 18 Westfalen-Meistertitel, sechs Teilnehmer bei deutschen Meisterschaften und ein dritter Platz bei den Europameisterschaften.
Metallwerke Renner GmbH, Blechverarbeitung und Oberflächentechnik, Ahlen (Sieger der Kategorie Firmen 20 bis 250 Beschäftigte):
Perspektive durch Blick in die Praxis
„Wie begrüße ich?“, „Was ziehe ich an?“, „Was sage ich wie?“ – ein nahezu echtes Vorstellungsgespräch bildet den Höhepunkt des Bewerbungstrainings der Metallwerke Renner in Ahlen. Mit ihrem Berufsorientierungsprojekt verhilft das Unternehmen Hauptschülerinnen und Hauptschülern zu einem deutlich besseren Start ins Berufsleben.
Die Lerneinheit Bewerbung beginnt für die Jugendlichen mit Praxisunterricht in der Schule. Sie schreiben Bewerbungsbriefe und besprechen sie. Unter dem Motto „Lernen auf Augenhöhe“ kommen Auszubildende der Metallwerke in die Schulen und berichten den Jüngeren von ihrem Werdegang und Berufsalltag. Anschließend proben die Schülerinnen und Schüler im Unternehmen ein Bewerbungsgespräch. Hinterher gibt es für alle ein Feedback.
Die Metallwerke Renner vermitteln außerdem Schnuppertage im Betrieb, Praktika mit der Aussicht auf eine Ausbildung sowie Werksrundgänge. Die Förderung von Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte passt in ihr Unternehmensbild: Im Zuge der Globalisierung stellen sich die Metallwerke Renner zunehmend international am Markt auf. Da sind interkulturelle Kompetenzen in der eigenen Firma wichtig.
ThyssenKrupp Nirosta GmbH, Krefeld (Sieger der Kategorie Firmen bis 250 Beschäftigte):
Glänzende Berufsvorbereitung: Lernwerkstatt Metall
Mehr Praxisnähe geht kaum. ThyssenKrupp Nirosta hat für die Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Hauptschule einen Technikraum eingerichtet – mit allem was dazugehört. Ihre „Lernwerkstatt Metall“ ist ein Leuchtturmprojekt der Berufsorientierung und -vorbereitung.
Sechste Stunde Mathe, siebte Stunde Schweißen. So ähnlich sieht seit zwei Jahren der Stundenplan für die Jugendlichen an der Theodor-Heuss-Hauptschule aus. In der Lernwerkstatt machen ein Ausbilder und mehrere Auszubildende sie jede Woche zwei Stunden lang mit verschiedenen Werkzeugen vertraut. Die Schülerinnen und Schüler bekommen gezeigt, wie man technische Unterlagen liest und wie man eigene erstellt. Danach begleiten sie ThyssenKrupp-Beschäftige an ihrem Arbeitsplatz durch den Arbeitsalltag, etwa als Betriebselektroniker oder Zerspannungsmechaniker.
Die Lernwerkstatt dauert zwei Jahre. Während dessen besichtigen die Neunt- und Zehntklässler unterschiedliche Werke des Unternehmens, können ergänzende Schülerpraktika und ein individuelles Bewerbungstraining machen und werden zum Wettbewerb „Jugend forscht“ eingeladen. Vierteljährlich liefern sie eine praktische Arbeit ab und absolvieren einen Theorietest. Ihren Leistungsstand überprüft ein Werkstattlehrer des Unternehmens.
Lars Stammkötter Garten- und Landschaftsbau GmbH, Straßen- und Tiefbau, Bottrop (Ehrenpreis):
Besonderes Engagement für besondere Schüler
So gelingt Integration. Seit drei Jahren pflegt der Garten- und Landschaftsbauunternehmer Lars Stammkötter die intensive Lernpartnerschaft mit den Schülerinnen und Schülern der Adolf-Kolping-Förderschule.
Pflanzen statt rechnen, Pflastern statt schreiben – bei Lars Stammkötter blühen die Jugendlichen auf. Obwohl sie während ihrer Praktika oder Workshoptage hautnah zu spüren bekommen, dass ein 8-Stunden-Arbeitsalltag hier anstrengender ist als Schule, machen sie auch die wohltuende Erfahrung, dass sie etwas richtig gut können. Die Förderschülerinnen und -schüler mit und ohne Zuwanderungsgeschichte üben anfangs hauptsächlich Orientierungstätigkeiten: Sie fegen Laub, versanden Pflaster, graben Erde um, jäten Unkraut. Danach kommt Unternehmer Stammkötter zu ihnen in die Schule. Am Tag der offenen Tür fährt er mit seinem Bagger auf den Schulhof, verlegt mit den Schülerinnen und Schülern Rollrasen und präsentiert die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten.
Der für die Förderschülerinnen und -schüler besonders schwierige Übergang von der Schule in den Beruf klappt mit Hilfe des Gartenbauunternehmens ein bisschen besser. Zwei türkische Schüler wurden bereits als Auszubildende in den Betrieb aufgenommen. Man sieht – die Saat geht auf.
Fotos der Gewinner stehen ab 18:30 Uhr unter www.wir-wollen.nrw.de im Pressebereich zum Download bereit.
Links zum Thema:
Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW - Unternehmenspreis 2009
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